"BassBar Live Acts" im Pappelgarten! (Jeden Donnerstag)

Donnerstag, 07.04.22 ab 20.00 Uhr

Kapellye Schlosser Hans

Klezmer (Jiddische Lieder)

Eintritt frei, Spenden erwünscht

Die Kapellye Schlosser Hans bietet jiddisches Liedgut und Geschichten aus der Zeit von 1848 bis 1944. Leidvolles, Düsteres ist ebenso dabei, wie Ausbrüche schierer Lebensfreude. Hochzeitslieder stehen neben Kampfesliedern, und so manches überraschende Arrangement kann entdeckt werden. Trotz teilweiser Verstärkung gelingt es “Kapellye Schlosser Hans“ sehr differenzierte Klänge zu erzeugen, auch dadurch, dass alle Musiker mehrere Instrumente beherrschen. In ihrer Instrumentierung kann es geschehen, dass man meint, eine Mandoline zu hören, auch wenn keine Mandoline vorhanden ist. Ebenso ist es möglich, eine Klarinette zu vernehmen, die natürlich auch nicht existiert. “Kapellye Schlosser Hans“ steht somit für ein musikalisches Programm, das in und durch Verblüffung begeistert. Instrumentale Stücke wechseln sich dabei ab mit  Gesängen. Die Mystik und Spiritualität der jiddischen Musik, die Giora Feidman als “jiddisch Soul“, als Musik vom Herzen definiert, vor allem aber die Freude an der Musik und am miteinander Musizieren wird erlebbar im Zusammenspiel dieser Musiker.

Jiddisch, die Sprache in der gesungen wird, hatte eine ähnliche Funktion wie Esperanto. Vom zaristischen Russland bis über Marokko hinaus konnten sich Menschen, die diese Sprache beherrschten, miteinander verständigen. Sprache, Kultur und die Menschen, die sie tradierten und lebten, existieren nicht mehr, aber die jiddische Sprache und Kultur ist in ihrer Musik lebendig geblieben.

Mit und durch ihre Musik lädt “Kapellye Schlosser Hans“ ein, das Leben, Lebensfreude, Liebe, Leidenschaft, Zerrissenheit, Hoffnung und Ernüchterung aus der Musik zu hören, mit zu empfinden und mit zu tragen, um am Ende mit “glik“ und “a bisl sun“ das Leben zu feiern!

Pressestimmen- Gäubote, 01.03.2016:

 

Klezmer mit Schlosser Hans

Entringen - Klezmer kann so vieles sein. Die ganze Welt findet sich wieder, in der Volksmusik der Juden. Schlosser Hans aus Tübingen präsentieren die jiddische Musik als lebhaft traurige

Adaption: Fünf Deutsche auf den Spuren eines Lebensgefühls.

Thomas Morawitzky

Man muss nicht jiddisch sein, um Jiddisches zu lieben - eine Handvoll Musiker aus Tübingen und Reutlingen schafft das auch so, ist selbst ganz hingerissen von der Mischung vieler Stile, der Mischung aus Schwermut und Lebensfreude, die drin steckt, in der jahrhundertealten, weltlichen Musiktradition der Juden.

Schlosser Hans nennt sich die Gruppe, weil jener, der in ihr das Akkordeon spielt, Hans Herbart heißt und von Beruf ein Schlosser ist. Matthias Kircher spielt den Kontrabass und erzählt zwischen den Musikstücken jiddische Geschichten; auch Ursula Heller, Pfarrerin in Reutlingen, wird, wenn sie nicht die Querflöte ansetzt, zur Erzählerin. Steffen Klee zupft und schlägt die Gitarre; Christof Hummel lässt lange melodische Jubelseufzer aufsteigen aus dem Innern seiner Geige.

Schlosser Hans sprechen gerne davon, dass in der Klezmermusik eine Weltsprache steckt, die man hier so gut versteht wie dort, ein Esperanto. Jazz und Tango, Balkanrhythmus und Folklore - all das vereinigt sich im Klezmerklang. Und dass jiddische Musik und jiddischer Humor es vermögen, größtes Leid und Lebensfreude zugleich auszudrücken - das bewundern und genießen viele. "Es gibt so viele Emotionen in dieser Musik", sagt Ursula Heller. "Und in aller Tragik liegt in ihr auch immer etwas, das einen nicht herunterzieht."

Im Repertoire haben Schlosser Hans solch anrührende Klezmer-Stücke wie "Zok ez mir nokh amol", ein Lied von ganz zügelloser Verliebtheit, oder jenes, das von der "Grünen Cousine" erzählt, die nach Amerika auswanderte - überhaupt singt und spielt die Gruppe viele Auswanderungslieder. In der Entringer Begegnungsstätte wollten gut 40 Ammerbucher Klezmer hören, Wein dazu trinken und sich des Lebens freun.